Europan 10, „lightbubble”, Vardo, 2010

Vardo ist eine kleine Insel in der Barentsee. Sie ist räumlich geprägt von den zwei Hafenbecken, welche die Insel in der Nord-Süd-Achse nahezu zweiteilen. Im Ortsteil „valen“ sind die beiden Inselteile auf einer Breite von 100 Metern verbunden. Wir schlagen an der „strandgata“ in unmittelbarer Nachbarschaft der „fryseri“ ein bootartiges Gebäude vor, dessen Dach sich am Meeresspiegel orientiert und dessen Geometrie sich zur Hafeneinfahrt, zum offenen Meer hin sehnt.

Der Zugang erfolgt über eine breite Terrainrampe von der Strasse aus. Dieser Weg ist dauernd öffentlich zugänglich und das Hafenbecken als Aquarium erlebbar. Der Weg wird nach einem leichten Richtungswechsel von einer massiven Betonwand gesäumt, die zwei Durchgänge hat: Der eine Durchgang führt zur Markthalle, der andere zum Tanztheater. Beide Räume haben ein Schiebedach, können Freilufträume oder witterungsgeschützte Räume sein und können zu einem grossen Mehrzweckraum zusammengeschlossen werden.

Besonderes Interesse gilt dem Tageslicht, das zenital und durch die Glasaussenwände ins Innere scheint. Wir erhoffen uns, das Licht tektonisch erlebbar zu machen – auch deshalb ist das Haus im Wasser und nicht an Land situiert. Es ist wie aus dem Wasser gemeisselt, ähnlich wie Eisdecken fürs Eisfischen aufgebrochen werden. Gebaut wird das Gebäude aus Beton und Glas in einer fernen Bootswerft, dann wird es im Schlepptau nach Vardo gezogen und an die Terrainrampe in der Hafenmauer angedockt.

Das pontonartige Haus hat die Masse von 80 x 21 x 11 Meter und ein Gewicht von 18’000 Tonnen – das sind insgesamt rund 7500 Kubikmeter Beton, Glas und Stahl. Das Gebäude schwimmt, es hat Hohlkörper, die mit Wasser gefüllt werden können, um die Nutzlasten zu kompensieren. Durch seine Grösse verdrängt das Haus 11 Meter Wasser und die Dachoberkante stimmt stets mit dem Meeresspiegel überein.

Unser Vorschlag versucht die drei Bedürfnisse: Aquarium, Marktplatz und Kultur in einem nahezu unsichtbaren Eingriff zu kombinieren. Wir erhoffen uns dadurch, dass in der Folge die leeren Gebäude als Hotel, Wohnungen oder für Kleingewerbe genutzt werden und Menschen nach Vardo ziehen. Wir erachten die erfolgte Umnutzung der „fryseri” zu einem Museum als sehr gelungen. Temporär könnten die Markthalle und das Tanztheater für Freiluftausstellungen als Museumserweiterungen dienen.

europan.no

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